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Projekt Schuldistanz

 

Schuldistanz bezeichnet das wiederholte oder andauernde Fernbleiben von Schülerinnen und Schülern vom Unterricht ohne ausreichende Entschuldigung. Das Phänomen ist Ausdruck vielschichtiger Problemlagen und führt zu individuellen sowie gesellschaftlichen Herausforderungen. Ziel ist es, eine handlungsfähige und regionsspezifische Unterstützungsstruktur insbesondere an Grundschulen in Lichtenrade und Marienfelde zu etablieren.

Ziele und Maßnahmen für die Unterstützungsstruktur


a) Früherkennung und Fallarbeit
• Zeitnahe Identifikation von Risikoschüler:innen ab Schuleintritt
• Niedrigschwellige Erstgespräche (Clearing) und darauf aufbauende Diagnostik gemeinsam mit Kind und Familie
• Entwicklung passgenauer Unterstützungspläne


b) Vernetzung: Zugangswege zu den Schulen und Kooperation
Zugangswege:
• Proaktive Ansprache durch direkte Kontaktaufnahme von Schulsozialarbeit oder Lehrkräften bei auffälligen Fehlzeiten.
• Informationsveranstaltungen an den Schulen zur Sensibilisierung der Kollegien für das Thema Schuldistanz.
• Vorstellung des Angebots in Gesamtkonferenzen, Schulhilfekonferenzen oder bei Elternabenden.
• Aufbau einer festen Sprechstunde an den Schulen, um eine niedrigschwellige Anlaufstelle für Schüler:innen, Eltern und Lehrpersonal zu bieten.
Kooperation:
• Abschluss einer Kooperationsvereinbarung zwischen Schulen, Projektträger sowie ggf. Jugendamt, in der Aufgaben, Verantwortungen und Abläufe geklärt sind.
• Teilnahme an schulischen Gremien (z.B. Schulhilfekonferenz, multiprofessionelle Teams), regelmäßige Fallbesprechungen.
• Kontinuierlicher Informationsaustausch über Fallverläufe und Präventionsangebote (unter Wahrung des Datenschutzes).
• Gemeinsame Entwicklung und Evaluation schulischer Handlungskonzepte zur Prävention und Bearbeitung von Schuldistanz.
• Organisation gemeinsamer Fortbildungen und Austauschrunden für Lehrkräfte und Fachpersonal zu Ursachen, Erkennung und Intervention bei Schuldistanz.

c) Beratungs- und Unterstützungsangebote für Eltern und Familien
• Um Schuldistanz nachhaltig zu bearbeiten, ist die systematische Einbindung der Eltern und Familien unerlässlich. Viele Problemlagen, die zu Schuldistanz führen, haben ihren Ursprung im familiären Kontext oder werden durch Unsicherheiten in der Erziehung, Überforderung oder sprachliche und kulturelle Barrieren verstärkt.
Ein zentraler Baustein ist die niedrigschwellige Elternberatung: Diese umfasst regelmäßige Sprechstunden, Beratungsgespräche sowie Hausbesuche durch sozialpädagogische Fachkräfte. Ziel ist es, gemeinsam mit den Familien Lösungswege zu erarbeiten, vorhandene Ressourcen zu aktivieren und bei Bedarf die Vermittlung zu externen Hilfesystemen (z. B. Erziehungsberatung, Psychotherapie, Jugendhilfe) zu gewährleisten.
Workshops und Gruppenangebote thematisieren Erziehungsstile, Konfliktbewältigung, den Umgang mit schulischer Belastung, Medienkompetenz und Alltagsstrukturierung. Diese Formate bieten Raum für Erfahrungsaustausch und stärken das Selbstwirksamkeitserleben der Eltern. Gerade für Familien in schwierigen Lebenslagen ist die Förderung einer stabilen Tagesstruktur und das Entwickeln positiver Rituale von hoher Bedeutung.
Ergänzend werden mehrsprachige Informationsveranstaltungen angeboten, um Eltern mit geringen Deutschkenntnissen zu erreichen, Hemmschwellen abzubauen und Zugang zu Beratungs- und Unterstützungsangeboten zu erleichtern.
Die Zusammenarbeit erfolgt stets ressourcenorientiert und wertschätzend. Ziel ist es, das Familiensystem zu stabilisieren, die Motivation zur schulischen Teilnahme zu erhöhen und den Kindern ein unterstützendes Umfeld zu sichern.


d) Systemische Begleitung der Schulen
Zur nachhaltigen Bearbeitung und Prävention von Schuldistanz bedarf es einer langfristigen und partnerschaftlichen Prozessbegleitung der Schulen durch externe Fachkräfte. Diese wirkt unterstützend bei der Entwicklung, Implementierung und Evaluation schulinterner Konzepte.
Zentrale Elemente der systemischen Begleitung sind regelmäßige schulinterne Workshops und Teamtrainings zu Themen wie schulische Inklusion, Umgang mit schulvermeidendem Verhalten, interkulturelle Sensibilität sowie Aufbau von Präventionsketten. Die Fachkräfte unterstützen Schulen bei der Entwicklung individueller Interventionspläne, passender Förderangebote und sozialraumorientierter Kooperationsmodelle.
Die Prozessbegleiter:innen arbeiten mit Schulleitungen, Lehrkräften, Schulsozialarbeit und ggf. weiteren Akteur:innen (z. B. Schulpsychologie, Jugendamt) eng zusammen. Sie initiieren Fallbesprechungen, erleichtern die Moderation multiprofessioneller Teams und helfen dabei, Zuständigkeiten und Abläufe im Umgang mit Schuldistanz zu klären und abzustimmen. Ein weiterer Schwerpunkte ist die Unterstützung bei der Etablierung eines datengestützten Fehlzeitenmonitorings sowie bei der Entwicklung interner Verfahren zur frühzeitigen Identifikation und Dokumentation gefährdeter Kinder und Jugendlicher.
Ziel der systemischen Begleitung ist es, die Handlungssicherheit und Kooperation im gesamten Kollegium zu stärken, Bildungsgerechtigkeit zu fördern und die Schule kontinuierlich in einem professionellen Umgang mit dem Thema Schuldistanz weiterzuentwickeln.


e) Prävention und schulische Gemeinschaft stärken
Ein wesentlicher Schritt, um Schuldistanz vorzubeugen, ist die gezielte Stärkung der schulischen Gemeinschaft und des Zugehörigkeitsgefühls. Schulen können durch ein vielfältiges Angebot an präventiven Maßnahmen ein Klima schaffen, in dem sich alle Schüler:innen sicher, wertgeschätzt und eingebunden fühlen.
Beispielhafte Maßnahmen sind die Einführung von Paten- und Mentorenprogrammen (ältere Schüler:innen unterstützen Jüngere beim Einleben und bei Konflikten), regelmäßige sozialpädagogische Projekte zur Förderung des Klassenklimas und zur Gewaltprävention sowie die Organisation von offenen Ganztagsangeboten, AGs und Freizeitaktivitäten.
Schulinterne Projekte zum Thema Vielfalt, Respekt und Toleranz fördern die soziale Integration und das gegenseitige Verständnis innerhalb der Schulgemeinschaft. Verlässliche Beteiligungsstrukturen wie ein aktiver Schülerrat oder Schüler:innenvertretung geben den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Schule aktiv mitzugestalten.
Die Etablierung eines systematischen Fehlzeitenmanagements mit sensibler, aber konsequenter Kommunikation von Fehlzeiten, Anerkennung positiver Anwesenheit und fallbezogener Intervention ist ein weiterer Schlüssel. Auf diese Weise spüren die Kinder und Familien, dass sie wahrgenommen werden und dass ihre schulische Teilhabe von Bedeutung ist.
Durch Kooperationen mit außerschulischen Partnern wie Jugendzentren, Sportvereinen und kulturellen Einrichtungen können wichtige Anknüpfungspunkte geschaffen werden, um Kindern und Familien zusätzliche Identifikations- und Unterstützungsangebote zu bieten und die schulische Gemeinschaft über den Unterricht hinaus zu stärken.

 

 

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